KI Museum Die (Wieder-)Entdeckung des Menschen

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Warum ein Museum?

Wir gehen in ein Museum und schauen uns historische und künstlerische kuratierte Objekte, Momente, Geschichten an. Wir vergleichen, betrachten sie vor dem Hintergrund des Wissens der Gegenwart, wir erforschen, bewahren und interpretieren sie, um daraus Visionen, Utopien, Dystopien, spekulative Strategien für die Zukunft zu entwickeln.

Warum KI?

Diese technische Entwicklung ist so spannend und aufregend, weil sie bereits im Terminus technicus eine Kränkung, eine Verleugnung, ein bestimmtes Bild des Menschseins beinhaltet. Hier wird das Menschsein in einer sehr bestimmten Weise, zuweilen unhinterfragt skaliert.

Das schnellere Denken, Ordnen, Sortieren, Berechnen der künstlichen (vermeintlichen) INTELLIGENZ, skaliert die Ordnungs- und Semantisierungsfähigkeiten des Menschen. Einher gehen diese Entwicklungen mit der Überwindbarkeit aller menschlichen Begrenztheit, die Größenphantasien in nahezu Lichtgeschwindigkeit alle Formeln, alle Zahlenreihen und damit die Welt zu beherrschen.

Wir schauen zurück auf die Rechner und Roboter der letzten Jahrzehnte und sind beeindruckt mit welcher Geschwindigkeit das Realität geworden ist, was bis vor kurzem noch absolut utopisch schien. Schauen wir in die Zukunft leuchten die schönsten Utopien einer bequemeren, arbeitserleichterten Welt, in der wir unser Gehirn nicht mehr anstrengen müssen, Mathematik aus den Lehrplänen gestrichen werden könnte…

Aber auf der anderen Seite fürchten wir, dass die schlimmsten Dystopien ebenso wahr werden könnten, in denen es uns Menschen nicht mehr braucht. Erhofft hatten viele von uns schon seit sehr langer Zeit, dass die Roboter die schwere körperliche Arbeit übernehmen und wir Menschen uns den geistigen, künstlerischen und zwischenmenschlichen Aufgaben immer mehr und intensiver hingeben könnten. Stattdessen befinden wir uns in einer Gegenwart, in der uns Glauben gemacht wird, dass die Maschinen geeigneter seien für das Denken und kreativen Ausdruck.

Maschinen sind keine autonomen Subjekte und doch wirkt die marktförmige Verführung.

Warum ein KI Museum?

Die KI Techniken strukturieren unseren Alltag, sie sind Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Die damit verbundenen Entwicklungen und Transformationen sind so schnell, dass wir Menschen zumeist nur reagieren können, weil uns der zeitliche und mentale Raum fehlt, vorauszudenken, vorauszuschauen, sodass wir im Reagieren, Hinterherlaufen stecken bleiben.

Wir könnten behaupten, dass wir kaum noch handeln, sondern es manchmal noch schaffen zu reagieren oder mit viel Kraft uns noch in die Transformationsprozesse „einklinken" in dem Gefühl, nicht so gut, nicht so schnell, nicht so präzise zu sein. Dabei merken wir allerdings nicht, dass wir damit ein Bild vom Menschsein schaffen, welches Menschsein auf Ordnen, finanzielle und zeitliche Ressourcenoptimierung, Darstellbarkeit, Funktionalität im messbaren Effizienzsinne reduziert.

Was wir dabei vergessen: der Mensch, aber auch alle anderen Geschöpfe auf der Erde sind sehr komplexe, aufregende Wesen und auch die Schöpfer der KI. Vielleicht ist es auch genau die aus diesem Schöpfertum resultierenden Allmachts- und Unsterblichkeitsphantasie, die zu groß für jeden einzelnen von uns ist, als dass sie uns noch ermöglichen könnte, die Prozesse und Transformationen in Relation zu sehen.

Ein solche narzisstische Überhöhung einerseits und die Phantasie des Verschwindens gleichermaßen können wir dann nur noch in spaltenden Polarisierungen denken: Utopie/Dystopie; Unsterblichkeit/Abschaffung; Schöpfer/Sklave — und kommen nicht mehr in Kontakt zu unserem eigentlichen Menschsein.

Was ist unser konzeptionelles Anliegen?

Als Institution für Forschung und Dialog dient uns das Museum als Spielraum für Erfahrung, Begegnung, Debatte, empirische Spekulationen und Analyse und das demokratische Entwickeln von Zukünften.

Die (Wieder-)Entdeckung des Menschen. Anhand der aktuellen technischen sogenannten KI-Entwicklungen lässt sich das Menschsein in sehr plakativer aber andererseits ganz neuer, einmaliger Weise untersuchen.

Was macht den Menschen aus?

Denken, Sprechen, Fühlen sind in ihrem Zusammenspiel besondere Eigenschaften des Menschen, die eine der Grundlagen für Beziehungen, Kooperation und Entwicklung sind. Welche Qualitäten haben diese Eigenschaft für uns Menschen, wie wollen wir sie leben? Welche Bedürfnisse wollen wir befriedigt wissen und welche und wessen Bedürfnisse befriedigt die aktuelle technische Transformation?

Schrumpft das menschliche Gehirn im Zuge der KI Omnipräsenz? Müssen wir eine maschinenmenschenartige Gleichschaltung befürchten, in der das Besondere eines jeden Lebewesens bedeutungsloser wird und die Diversität auf der Erde sukzessive verschwindet?

Oder können mit Unterstützung der KI zeitliche und finanzielle Spielräume geschaffen werden, die der Entfaltung eines sinnstiftenden und beziehungs- und kooperationsfördernden nachhaltigen Daseins auf der Erde zuträglich sind?

Das Museum wird ein Ort für gesellschaftlichen und politischen Dialog über das Menschsein und unsere Zukunft.

Was findet im KI-Museum statt?

Das Museum vereint in verschieden Räumen unterschiedliche Szenarien, die das Möglichkeitsfeld des Menschen mit der KI auf mehreren Erzählpfaden begehbar machen.

Future

Die Erzählung beginnt in der Zukunft. Utopische und dystopische Szenarien ineinander verwickelt führen den Weg über Entscheidungen in die Vergangenheit. Immer entlang der Lücke zwischen Bedürfnissen und deren technischer Erfüllung.

Presence

Der Anekdotenraum mit viel Witz und Charme:

Der Zug, der in der DB-App noch kommt und in der Realität die Schienen bereits seit einer Stunde verlassen hat.
Im Kontakt mit der Service-Hotline erleiden Menschen Nervenzusammenbrüche, weil sie an ihren kommunikativen Fähigkeiten und ihrer Wirkmacht zweifeln, weil das Ergebnis ihrer Worte und Anliegen nicht oder falsch beantwortet wird: „Ich habe sie nicht verstanden! Bitte sprechen Sie ihren Vornamen noch einmal deutlich.."
Die Übersetzungs-App in der Rettungsstelle produziert Kauderwelsch und die Person wird in die Psychiatrie eingewiesen anstelle eine Herz-OP in Erwägung zu ziehen.
Past

Hier werden die Hoffnungen und Wünsche wieder aufleben, welche frühere Generationen gewagt haben zu träumen. Was wurde gedacht, würde den Menschen das Leben schöner und glücklicher machen. Welche Technik braucht es, um alle Probleme zu lösen?

Die Ausstellungsformate werden durch Diskussionen und interaktive Formate begleitet, die den Ermöglichungsräumen nachspüren mit der Grundhaltung:

„Wir menschlichen Wesen hatten und haben jedes Mal die Wahl, was wir denken, sprechen und fühlen wollen."

Wie es sich für ein Museum gehört, werden Geschichten aus Past, Presence und Future gesammelt für zukünftige Generationen und für das Museum von morgen.

Ein Projekt von

Ulrike Kluge und Lars Kulik

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